Müde sein und meine Reaktionen darauf

Ich habe seit Jahren keine Ferien mehr gehabt, ich bin mehr als ferienreif.

Insbesondere ab Anfang September habe ich, damals noch im Frienisberg wohnend, ein rasantes Arbeitstempo an den Tag gelegt. Bis zu 20 Std. habe ich gearbeitet, im Büro habe ich begonnen mit meinem Team den Rest meines Lebens aufzugleisen, was zuerst mir einen Berg Arbeit gemacht hat und macht, dann anteilsmässig meiner damaligen Betreuungsperson und meinem Notaren, der eine komplizierte Steuererklärung mit Erbgang 20 ausgefüllt hat. Ich habe zu meinen 4 Mobilien nun auch Immobilien und die drei Wohnungen, in die ich ziehen will, die sind renovationsbedürftig.

Meine Gspänli im EG Ahornhaus waren mir teilweise lieb geworden und ich war offen für soziale Kontakte. Insbesondere mit dem Mann, der mich als Wahlmama gewählt hat, war ich fast täglich unterwegs, Ausflüge und der Versuch mich zu ernähren mit einfachsten Speisen und in Luxusrestaurants. Alles war besser für mich als das Kantinenessen des Frienisberg. Schon der Geruch begann mir Übelkeit zu verursachen.

Ich habe es geschafft mein Gewicht zu halten. Das war harte Arbeit.

In meiner Freizeit habe ich gestrickt, ein Tshirt und drei Paar Kletterhosen genäht und 110kg Ton vertöpfert.

Das alles liest sich intensiv und war es auch, das Ende der Frienisbergzeit war absehbar und ich wollte danach Ferien machen, zur Ruhe kommen.

Jeder Mensch hat ein Mass an Fitness und ein Pensum Energie, das bei mir in den Nachmittagsstunden aufgebraucht war, ab 16 Uhr hätte ich mich am liebsten hingelegt und geschlafen. Ich wurde müde, konnte noch nicht ins Bett, konnte nicht wirklich wach bleiben, weil ich erschöpft war.

Natürlich habe ich diese Phasen mit Haltung bewahren überspielt.

Einige der Pflege hatten diese unnötigen Aufgaben für mich. Ich sollte Gegenstände rumtragen, die Küche, die ich nicht verschmutzt hatte, aufräumen, Botengänge erledigen.

Mein Körper kann keine sozialverständlichen Signale aussenden, dass ich am Ende meiner Kräfte bin. Normalerweise weinen Frauen. Ich weine nicht, ich werde vor Erschöpfung wütend. Dann gibt es von zu vielen der Pflege aufs Dach, ich werde fremdbeschäftigt und soll noch schneller rumrennen.

Im Vertrauen auf Gott habe ich mich beruhigt, weil das Ende in Sichtweite war.

Ich habe mich sagen hören: „Ich will NIE mehr….“ Nie als Wort fällt mir in meiner Sprache als Mensch auf, weil NIE eine sehr lange Zeit bedeuten kann, wenn ich z. B. noch jahrelang lebe. Wäre ich gestern gestorben, wäre mein NIE nicht sehr alt geworden. Also auch NIE ist relativ, ich höre trotzdem genau hin, wenn ich dieses Wort in den Mund nehme. So habe ich über mich gelernt:

  • Zuerst einmal signalisiert mir dieses Wort, dass ich eine Pause brauche. Mein NIE gilt bis ich wieder etwas erholt bin, dann kann ich es mir nochmals überlegen und das NIE umstossen.
  • Ich konnte und kann mich darauf verlassen, dass mein Wahlsohn und meine damalige Betreuungsperson mein NIE genauso deuten gelernt haben wie ich. Dany braucht Erholung, eine Pause, eine Nacht Schlaf, ein Mittagsschläfchen, vielleicht reicht es, die Beine hochzulegen, für einige Zeit die Zimmertüre zu schliessen.
  • NIE hat mich geleht, dass ich unter Menschen Personen finden kann, die mich mögen mit meinen Stärken und Schwächen. Ich bin nicht mehr allein, nur bezogen auf Gott.
  • NIE hat mich ganz vieles gelehrt u. a. dankbar für mein Menschsein zu sein, dankbar für meine körperlichen Grenzen.

Irgendwann hatte ich es geschafft, ich war umgezogen und es wurde anders, leider nicht ruhiger. Meine pendenten Ferien habe ich innerlich auf den Anfang 22 verschoben, im Januarloch, das wäre doch niedlich, antizyklisch und so ersehnt!

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