Ich bin ein Kasperli

Klar in mancherlei Hinsicht. So will ich auf den Weihnachtsmarkt vor dem Münster und bin eine Stunde zu früh. Ich trage meine neuen Lederhosen extra wegen dem Windschutz, ich hätte die Skihose anziehen sollen, auf dem Dreirad ist es kalt.

Doppelter Espresso und Gipfeli. Ich rase durch die Altstadt, um 10 Uhr morgens ist keine rollstuhlgängige Beiz auf die Schnelle auszumachen, bis ich in der Webernzunft an die Wärme rolle. Soweit, so gut, so billig. Die Stunde ist längst nicht um, ich erinnere mich dunkel an einen Ölladen „Vom Fass“. Kurv, kurv, wie ich innerlich über meine geographische Unkenntnis fluche, ist nicht massentauglich, wie ich fündig werde, gibt es kostbares Öl und Spezialteigwaren mit passenden Gewürzen. Schon weniger billig.

Da war doch dieser Stoffladen in der Nähe, bloss wo? Wollstoff hätte ich sehr gerne seit Jahren. Fündig geworden steche ich an die Wärme. Der Wollstoff ist im Sous-Sol. Wenn ich vorgängig gewusst hätte, wie viele Treppenstufen sous dieser Sol ist, hätte ich nicht angeboten Treppen zu laufen. Angekommen dort unten, schnappe ich mir einen Schemel, ich muss sitzen und zwar SOFORT.

Ich gucke mich um, entdecke einen Wollstoff, der mir gefällt, doch was liegt daneben? Der gestrickte Baumwollstoff grau mit regenbogenfarbigem Kontrast erweckt meine Aufmerksamkeit sehr. Ein Paar Hosen daraus mit einem Gilet, das wäre was für mich. Bei Bärni habe ich rein zufällig den passenden Ring gekauft. Das wird heiter bis ausgelassen fröhlich.

Jetzt ist die Stunde um, bekanntlich wird es am Weihnachtsmarkt nicht billiger, ich brauche Glasschmuck für meinen Weihnachtsbaum nur 90 cm gross. Ich wusste bis dato nicht, das 90 cm so lang sind.

Bärni der Künstler hat die passende Halskette zu meinem Regenbogenstoff und-ring zu vorderst in der Auslage. – Ich bin reif für einen Glühwein. Obwohl es Mittag ist, ergattere ich nur ein Knoblibrot als Speise.

Statt nach Hause zu eilen, schwatze ich mit der Glashandwerkerin, bei der ich früher Ringe und Ohrringe gekauft habe seit Jahren und jetzt die zweite Ladung Baumschmuck. – Den Engel, der mir aus der Hand rutschte, kann sie flicken, nochmals erhitzen und den gebrochenen Flügel dazuschmelzen. Handwerk halt!

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