Mona Vetsch: Einmal Opfer immer Opfer? SRF TV

Es ist erstaunlich wie immer das gleiche Stroh gedroschen wird. ImSRF kommt keine Gegenwart, sondern Verjährtes, Münsterlingen Psychiatrie unter Prof. Kuhn und ohne jegliche Ironie kommt gleich danach, Traumatisierte gehen zur Psychiaterin.

Wenn in der Schweiz seit Freud immer das Gleiche getan wird, dann kommt immer das gleiche Resultat raus. Wer nie was wirklich ändert, der kriegt kein anderes Resultat.

Psychiatrie ist keine genaue Wissenschaft. Das ist so und bleibt so. Die Neurologie ist viel präziser, jedenfalls zur Zeit.

Ganz krass, wie die chemische Industrie, Ciba Geigy und jetzt Novartis vom Vertrieb der Psychopharmakas profitiert. Alles Wissen ist da, geändert wird nichts. Darum tut die Vergangenheit nie weh, weil sie nicht Gegenwart ist und dergleichen getan wird, die Gegenwart sei irgendwie in Ordnung, was nur eine Lüge ist.

Würde man die Gegenwart anschauen und verbessern wollen, könnte man die Zukunft gestalten. Tut man nicht. Die Gegenwart wird tabuisiert und damit bleibt immer der zeitliche Unterbruch von Jahrzehnten. Was vor 30 oder 60 Jahren geschehen ist, muss heute keiner mehr ändern. Das Heute ist doch modern. Das ist der ewige Fehler der Schweiz. Sie beschäftigt sich nicht mit der Gegenwart. Sie guckt nicht, wie ist die Situation heute.

Noch tabuisierter: Die Psychiatrien haben systematisch Dreck am Stecken. Aber geht in die Psychiatrie, wenn du psychische Probleme hast. Es wird ausgeblendet, dass gerade die Psychiatrie dieselben VERSCHLIMMERN KANN.

Der mit der Opferstelle war auch so hübsch: Die Opferstelle Bern war mit mir total überfordert. Vergiss Opferstelle, geh nur dorthin, wenn du eine ANERKANNTE OPFERSITUATION ERLEBST HAST: Sexualität, Gewalt, Krieg…. es gibt anerkannte Themen. Behinderung gehört nicht dazu und obwohl man weisst was ein PZM und eine UPD in der Vergangenheit verbrochen haben, schliesst man beide Augen und sämtliche Hühneraugen vor der Gegenwart.

Ein Opfer, das ungeliebte Kind sprach mir aus der Seele: Es hat sich in ein Leben seiner letzten Jahre zurückgezogen. Weil der Film fast zu Ende ist, will ihm Mona Vetsch ein „schönes“ Leben unterschieben. Er geht nicht wirklich darauf ein. Was ist schön? Es ist schön, wenn ich atme, es ist schön frei zu sein, ein Obergerichtsurteil zu haben, ist dann das Leben schön? Eher nicht, ein Sammelsurium von losen Enden, die zu einem sinnvollen Weiterführen geordnet werden sollten.

Wenn was klappt, im Film eine Altersliebe, machen einige Jahre ein ganzes Leben besser?

Und die Deutschschweiz hat ein Wortproblem: Opfer. Das Wort Opfer wird tabuisiert. Damit ist das Scheunentor weit offen für alles Unrecht und das echte Opfer darf nicht mehr sagen: Ich bin ein Opfer.

Augen auf, liebe Schweiz: Es gilt nicht das Wort Opfer abzuschaffen sondern DAS UNRECHT.

Klar zu unterscheiden ist das Opfer von der Opferrolle, die meistens die TäterInnen einnehmen, um dem Opfer Schuldgefühle einzujagen und das Opfer in den Krieg mit sich selbst zu führen: Was habe ich getan, um sowas zu verdienen? – Diese Frage kommt in mehreren Beiträgen, die erste Frau nennt es Hirnwäsche, Das ist es, eine Gehirnwäsche in Reinform.

Sobald nämlich das Opfer diese Gehirnwäsche glaubt, läuft es für die TäterInnen wie am Schnürchen.

Die Frage des Vergebens wird aufgeworfen: Wenn ich an die TäterInnen gebunden bin wie mit einer Nabelschnur, dann habe ich Wut und Vergebung ist weit weg. Mich lösen, innerliche Freiheit erarbeiten, verstehen und vergeben ist kein statischer Begriff: Es gibt Zeiten der Freiheit und manchmal kommt was hoch, ausspucken und loslassen. Loslassen ist der modernere Begriff als vergeben, weil vergeben mit versichten auf was gleichgesetzt wird. Es geht um die eigene Freiheit. Klar ist das ein Ziel: Frei werden, nicht immer im Spinnennetz hängen bleiben. Schlechte Jahre und Jahrzehnte aufräumen, abschliessen und immer mehr in der Gegenwart leben, weil die Gegenwart die einzige Zeit ist, die ich habe.

Was absolut gefählich ist an der Sendung: Die triggert und wie. Da hätte eine Triggerwarnung hingehört und mindestens Telefonsupport für Opfer, die Fashbacks kriegen. Wetten die Nummer „Die dargebotene Hand“ ist gerade dauerbesetzt. DAS IST ABSOLUT UNVERANTWORTLICH. Die Opfer, so auch in der Sendung erwähnt, haben keine Anlaufstelle. Nehmt doch endlich eure eigenen Worte ernst.

Das verblüfft mich mein Leben lang: Die Worte können stimmen. Erreicht ist nichts, weil nie Taten folgen. So auch in der Sendung, die Opfer nochmals in die Opferrolle schubbst.

Kommentar verfassen