Judith Stamm, CVP ist gestorben

Eine Leuchtfigur am politischen Frauenhimmel, die lachend bestätigte, dass sie natürlich Feministin sei.

Wie alles, was Intelligenz hat, wurde sie als eine politische Frau der ersten Stunde, mit Fragen und Statements von Männern und Frauen konfrontiert, die in der Zeit üblich waren, nichts desto trotz auf die Länge nur ermüdend.

Umgekehrt hat diese Generation Frauen erstaunlich viel erreicht in vergleichsweise kurzer Zeit.

Ich hatte meine theologischen Vorbilder zu der Zeit. Frauen arbeiteten wissenschaftlich-theologisch und zerfetzten die Ideologien der sog. wissenschaftlichen, theologischen Professoren. So bekam ich von Anfang an zwei Theologien mit, die männliche für die Uni und die weibliche für mich als Frau.

Gerade die Theologie hat die Frauen in extremis zurückgebunden, eine sogar so abgesägt, dass nach dem glänzenden Doktorat der Karriereknick kam, ab 25 Jahren nur noch leiden, heute sind wir 64 Jahre alt. Klar floss kein Blut, trotzdem ist es unsäglich, was wir erstens leisten mussten und natürlich auch wollten und meine Kindergeneration hat überhaupt nicht mehr vorwärts gemacht, sondern sich der Verantwortung verweigert.

Die Ernte will ich nicht miterleben müssen und habe die Wahrscheinlichkeitsrechnung auf meiner Seite.

Was ich immer sagte, ist so eingetroffen, wenn ich die Katastrophe auch nicht en detail kennen konnte und noch immer finde ich es maximal ungerecht, der medizinische Normalfall hätte anders gelautet, Leberzirrose. Es ist nicht zu ertragen, einen so hellen Kopf in dem Zustand miterleben zu müssen. Den Vogelbrief bewahre ich genauso lange auf, wie ich es brauche. Ich lese ihn ab und zu. Über: Das darf nicht wahr sein, bin ich noch nicht hinausgekommen. Die eigene Tochter, die nichts begreifen will und ja, er war ein guter Vater, Pfarrer, gebildet, gerecht, einfühlsam und ja, er war krank und ja, ich wusste, dass diese Krankheit zum Tod führen werde, aber bitte nicht so.

Märten mit dem Sensemann, irgendwann kommt das Loslassen. Das braucht Zeit.

Wie bitter ist es Recht haben zu müssen und MACHTLOS ZU SEIN.

  1. Schritt AA und Al-Anon.

Kleingeister fühlen sich gross, wenn sie Recht haben.

Liebende sehen das Unglück kommen, machen alles in ihrer Macht Stehende dagegen, machen es richtig und am Schluss steht wie am Anfang das unerbittliche Gesetz der MACHTLOSIGKEIT. Eine tödliche Krankheit kann mit dem Tod enden.

Der Schmerz bleibt. Immer werden Menschen gefragt, ob er weniger werde? die Antwort ist ein Zögern in der Regel, die Antwort, er wird anders. Bei mir bleibt er sehr lange lodernd, wenn ich machtlos war. Ich kann es schneller stehen lassen, wenn die Verantwortung klar geregelt ist oder der Tod unausweichlich, als Erlösung kam. Aber Tod wegen menschlichem Versagen? Wie manchen solchen Tod habe ich mitgetragen.

Es gibt Probleme wie tödliche Krankheiten, die sind echt. Andere Probleme blähen sich auf und sind nur Lug und Trug. Die wirtschaftliche Lage wird mit dem Unsinn zumindest teilweise aufräumen.

Wenn es nur keinen Bürgerkrieg gibt. Davor habe ich Angst. Viele arbeiten nur noch auf Akkord, die politischen Entscheide waren grundfalsch und es ist kein politischer Wille in Sicht, das Volk hinter sich zu versammeln und am gleichen Strick zu ziehen. Die stillen SchafferInnen und die lauten SelbstdarstellerInnen: Politik als PR-Branche.

Wen würden Frauen wollen? Wen würden Handwerker wollen? Wen würden Behinderte wollen? Wem würden wir politische macht geben wollen?

Und die heutigen Alten sind zu jung, um eigene Kriegserfahrungen erinnern zu können. Klar leben noch dreissiger Jahrgänge, aber die lauten Alten sind vierziger jahrgänge, nur Nachkriegserinnerungen, da wurde aufgebaut, das Wirtschaftswunder kam und der Krieg wurde insofern verarbeitet, als dass die Nachkriegsordnung den ewigen Frieden bringen solle. Der Rest, das Hässliche, wurde ganz lange verdrängt oder kam gar an die Macht.

Die ideale, kleine Familie wurde vorgegauckelt, Valium als Allerheilmittel der grünen Witwen. Früher habe ich all die Pösteler- und Handwerkerwitze als Unterhaltung genommen. Mein Leben hat mich gelehrt, dass das zu oberflächlich war.

Unter den AAs habe ich meine RS gemacht punkto Derbheit und Männer, wie sie halt so sind oder finden, dass sie das Recht haben zu sein. AAs ist glasklar eine Elite 5% der Alkoholkranken können mit dem Alkohol aufhören.

Das war die perfekte Vorbereitung auf meine berufliche Zukunft. Als nur Frau doppelt so fleissig, als nur behinderte Frau, dreifach so fleissig.

Echt, mir sagt keiner mehr was, niemand. Die sollen zuerst den Nuggi rausnehmen und arbeiten gehen, der Sozialstaat als Selbstbedienungsladen und über den eigenen Verhältnissen leben. So wurden wir nicht erzogen und so habe ich nie gelebt und werde nie so leben.

Ich esse auswärts und spreche oft irgendwen an oder höre zu. Wer Arbeitskleidung trägt, der arbeitet praktisch nur Akkord. Der Dienstleistungssektor will Lohn, aber keinen Dienst leisten. Wie lange geht das noch gut? Man sagt immer zu wenig Junge kommen nach. ja, das ist ein Problem und das andere: Wer von denen ist in der Produktion?

Medizin geht unter Dienstleistung. Die Bauern sind klar, die Maschinenindustrie auch. Dann Tourismus, Nahrungsmittel, der Energiesektor ist am Wanken, Chemie, sowohl Agrar- wie Humanmedizin wird immer mehr angezweifelt, die Schweizerunis fallen im Ranking zurück…..Was ist die Zukunft? Die Jungen wissen es nicht, meine Generation auch nicht und ab AHV nur noch Eigenprofit, ausser es werden Grosskinder gehütet oder soziale Werke getan.

Soviel gleichzeitig im Umbruch, wer hat das schon erlebt?


SRF TV: Judith Stamm war eine Kämpferin. Das ist es. Frauen, die etwas verändern wollen, müssen kämpfen. Judith Stamm war in der Position verändern zu können. Irgendwie gelang es.

An was ich mich erinnere, ist der Bundesrat und die ersten Frauen. Das war grausam, querbeet durch die Parteien: Elisabeth Kopp, FDP.

Brunner SP verhindert, Dreifuss stattdessen. Eine Weile wurden systematisch nicht die gewählt, die vorgeschlagen wurden, traf auch Männer.

Ein Durcheinander. Oft hab ich die Wahlen am TV live geschaut: Kutsche, Retourkutsche, irgendwann alle im Bann der SVP und deren Übervater. Dann der Widerstand, beantwortet durch die Opferrolle und immer Opposition.

Wie oft fahre ich übers Land und schaue mir die Bauernhöfe an: Generationen sind gekommen und gegangen, Kriege kamen und gingen, Seuchen, alles kam und ging, die Gebäude blieben.

Die Städte verändern sich viel schneller und praktisch sind sie überhaupt nicht, jedenfalls Bern nicht. Alles ist eng und kleinlich, heute war vor der Landi Worb wieder so eine klassische Behinderte, topfite Fussgängerin, ebenso klassisch die dumme Ausrede: Nur schnell, nur schnell….Ja die kann meine Behinderung haben nicht schnell, schnell, sondern Jahrzehnte lang.

Welche Einstellung?

Ich war schlicht früher, deshalb hatte ich zuerst den zweiten Behindertenparkplatz. Den vermeintlichen Vorteil wollen sie immer, wobei ein Selbstfahrer im Rollstuhl statt Führersitz, ich wüsste nicht auf welchem Behindertenparkplatz, die parken können und dann entladen. Das ist weitherum zu eng. Es reicht nicht den Seitenlift ausfahren zu können. Der Elektrorolli muss noch von der Rampe runterfahren können. Irgendwo im Wald weit weg, Der Rollifahrer kann dann ja rollen und muss nicht laufen.

Dieses engstirnige Denken, diese Knausrigkeit, typisch Bern. Zeigt sich ganz klar auch am Eurokey: Wo der Standard ist, werden Behinderte weniger gemobbt.

Unsereins kann nirgendwohin. Die erste Frage ist immer: Parkverhältnisse. In meinem Fall zusätzlich: Wo steht der erstbeste Stuhl.

Gestern habe ich mich nach dem Elektrorolli erkundigt, Ja klar, heute Tel. Selbstverständlich kam kein Tel. Am Montag sind es drei Wochen. Die sollen doch den perfekten Rolli neben meinen Sarg stellen. Ich brauch in dann für himmelwärts. Bern, nur unprofessionell auf der ganzen Linie, ausser ich präsentiere entweder einen Jöheffekt oder heische um Mitleid,

Nichts. Aber meine Verachtung, die kriegt ihr gratis. Finde ich angemessener als euer Gratismitleid. Das knallt dann bei einer nächsten oder übernächsten Generation gewaltig. Das ganze System versagt. Jeder weiss, dass die IV eine inkompetente, politische Inszenierung ist. Man stelle sich vor, das wissen sogar wir Betroffenen und wir kennen unsere inkompetenten Leader. Nein, aber auch ja: PR, heisse Luft und was ist eigentlich das Thema? Ah genau: Behinderte graben Behinderten gegenseitig das Wasser ab. Ein gewinnbringendes Sandkastenspiel. Das haben die sog. Normalen geschickt eingefädelt. Nennt sich Braindrain. Alle kompetenten Fachleute sind pensioniert oder gestorben. Mit Behinderungen stirbt es sich schneller.

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