Sammelsuriumtag

Das interessante am Klettern ist, dass der Kopf, also die Neurologie während der Zeit der Abwesenheit in unserem Fall zwei Wochen irgendwie die Kletterrouten verarbeitet und wo wir das letztemal stecken blieben oder zu müde wurden, geht es einige Meter weiter.

Heute war das Seil weniger straff. Letztes Mal habe ich am Seil rumgejammert und wusste, dass ich da nun einfach durch muss. Der Volksmund lehrt: Aller Anfang ist schwer.

Der Wiederanfang muss zuerst Fahrt aufnehmen. Während ich heute im Unterricht erklärte, nicht zu schnell, bitte ohne Muskelkater, habe ich nun links voll Schmerzen.

Wir gingen zu früh hin und an einer Stelle kann ich sitzend Arme und Rücken dehnen. Das tut gut. Diese ewigen Verkürzungen auseinanderzuziehen nach meinem Gusto, Gefühl und nicht in diesen idiotischen Physiovorgaben, wo irgendeine hübsche, Junge mir sagt, wo meine Schmerzgrenze zu sein habe, bis eine kam und erschrocken feststellte: Deine Schmerzgrenze ist viel zu weit draussen. Na fast 60 Jahre lang dasselbe und wetten, die Schmerzgrenze ist nicht mehr normal.

Etwas vom Idiotischsten war das sog. Nervendehnen. Die damalige Physio frisch, fröhlich und voll Enthusiasmus: Da fallen die Patientinnen schon mal ihn Ohnmacht. – Ich unter quälendem Schmerzen dachte in mich hinein: Ich habe kein Riechsalz dabei.

Es bleibt dabei: Wenn geübte Bewegungen nicht irgendwie im Alltag vorkommen können, macht es Null Sinn. Erlerntes nicht angewendet wird VERLERNT.

Für die Füsse bedeutet Kletterwand, unebenen Boden begehen können. Für mich immens wichtig, weil ich Gehwege verlasse, um die möglichst gerade, KÜRZESTE VERBINDUNG ZU WÄHLEN. Das hat logische Konsequenzen, wenn die Gesamtkraft und damit die Ausdauer fehlt.

Weil wir nun zu zweit sind, kann ich ruhig Pause machen, während die beiden andern arbeiten. Klar sichere ich noch ab und zu, Lernstoff ist es nicht. Es geht nicht darum Stehen zu trainieren. Weil ich mit den Armen zu langsam bin, gehe ich sofort zurück, wenn die Vorkletterin einen Karabiner eingehängt hat. Hochoffiziell sollte ich das Seil einziehen. Gehe ich zurück, um sofort wieder vorzugehen, wenn die Partnerin höher steigt, schone ich meine Arme.

Mein Seil fliesst anstandslos durchs Grigri. Viele sind meist nur wenig zu dick.

Als ich am Kiosk was kaufen wollte, ging das so: Eine Frau stellte ihr Velo auf den Behindiparkplatz, wie immer nur schnell. Sie korrigierte ich in der Zeit hatte eine Frau ein schweres Velo hinter dem Viano wild parkiert. Das musste ich wegheben.

Jungs hatten ihre Scooter halb vor die Eingangstür geworfen, vis a vis ist ein ALTERSHEIM: DIE JUNGS MEINTEN DISKUTIERN ZU MÜSSEN. ALS BEHINDI SOLL ICH MICH GEFÄLLIGSTENS BEI IHNEN VORARMELDEN, DAMIT SIE WISSEN, DASS EIN BEHINDI KOMMT, DANN TUN SIE IHRE SCOOTER WEG.

Ich befahl ihnen, ihre Schlamperei SOFORT IN ORDNUNG ZU BRINGEN. Mit Anstand erreiche ich nichts. Also mein Befehl: „Bringt es sofort in Ordnung, macht einen Abgang“ – Das wirkte.

Das ist in Bern normaler Alltag, das geht praktisch immer, praktisch nur so. Grauenhaft. Dann ist der Behindi schuld, wenn er sich wehrt. Wenn die Eltern ihre Kinder nicht erziehen, ist das deren Problem. Meine Kinder sind erzogen, soweit es mich betrifft.

Bloss schon die Eltern haben keinen Anstand. Anstand das grosse Fremdwort in Bern. Danach oder davor käme Respekt: Who is who? Wer sind Neunjährige Jungs? Die kamen sich so gut vor wie Greta in ihrer Wortgewandtheit. Nur haben sie leider, leider keine Ahnung, dass sie nicht einzig sind auf der Welt: ES HAT NOCH ANDERE MENSCHEN.

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